Wasser und Infrastruktur Kolloquium in Bonn

Als Triumvirat hatten das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), die FH Bielefeld/Minden und der Verband der unabhängigen Sachkundigen für Dichtheitsprüfungen von Abwasseranlagen e.V. (VuSD) zum Wasser und Infrastruktur Kolloquium am 05.06.2012 nach Bonn eingeladen.

 

Im historischen Saal der Villa Deichmann, immerhin wurde dort die Gründungsurkunde der Bundesrepublik unterzeichnet, wurden die 80 Teilnehmer der kostenfreien Veranstaltung über den derzeitige Wissensstand sowie aktuelle Erkenntnisse der Exfiltration von defekten Abwasserkanälen und Leitungen informiert.

 

In der von Dipl.-Ing. Jens Pirling aus Darmstadt kurzweilig und kompetent moderierten Nachmittagsveranstaltung wurde in den Vorträgen der Bogen vom Boden als bis zum Grundwasser gespannt und auf die verschiedenen Aspekte des Gefährdungspotentials hingewiesen.

 

Sowohl aus Schleswig-Holstein als auch aus Hessen und natürlich aus Nordrhein-Westfalen waren die Teilnehmer angereist und hatten in der Diskussionsrunde sowie in der Kaffeepause reichlich Gesprächsstoff.

 

Frau Dipl.-Ing. Bettina Stock vom BBR schärfte in Ihrem Vortrag den Blick auf den Boden. Je nach Fachgebiet oder gesetzlicher Grundlage wird der Boden unterschiedlich wahrgenommen. Sie wies deutlich darauf hin, dass diese unterschiedlichen Blickwinkel dazu führen, dass z. B. der Bodenkörper für die Vegetation unbrauchbar wird oder seine natürliche Reinigungsfunktion verlieren kann.

 

Einen Überblick über den derzeitigen Stand der Prüfung von privaten Abwasserleitungen in den Bundesländern gab Burkhard Bröhl vom Abwasserbetrieb der Stadt Troisdorf. Der besondere Schwenk auf die Situation in NRW und die anschließende Diskussion zeigte deutlich, dass andere Bundesländer gespannt auf die weitere Entwicklung in dem einwohnerstärksten Bundesland schauen. Er selbst ist mit der augenblicklichen Situation höchst unzufrieden und berichtete über einen massiven Rückgang an vorgelegten Bescheinigungen. Dabei sah er nicht nur die negativen Aspekte bei den ausführenden Unternehmen, die sich in einer „unglücklichen“ Situation befinden, sondern auch in der Glaubwürdigkeit von Politik und Verwaltung gegenüber den privaten Grundstücksbesitzern.

 

Das eine Gefährdung von exfiltrierenden Abwasserkanälen und -leitungen ausgeht wurde in Vortrag von Professor Dr.-Ing. Weinig von der FH Bielefeld/Minden mehr als deutlich. Unbestritten bleibt, so Weinig, dass in der belebten Bodenzone ein Abbau stattfindet. Nur was passiert, wenn Kohlenstoff und Sauerstoff für den biologischen Abbauprozess fehlen? Oder sich die anthropogenen Stoffe in den Poren des Bodens ablagern? Diese und weitere interessante Fragestellungen werden derzeit an der FH Bielefeld/Minden im Auftrage des VuSD abgeklärt. Der Zwischenbericht dieses Forschungsprojektes wird Ende Juli 2012 veröffentlicht.

 

Das nicht nur das Thema „Dichtheit“ bei der Betrachtung von schadhaften Abwasserkanälen eine Säule darstellt, konnten die Teilnehmer dem Vortrag von Dipl.-Ing. Michael Schiller aus dem Ing.-Büro Schiller, Holzwickede, entnehmen. So sind Abwasserkanäle durchaus auch im Kontext mit der Betriebs- und Standsicherheit zu sehen. Seiner Meinung nach spielt hierbei die Betriebssicherheit eine überdurchschnittliche Rolle im Beratungsgespräch mit dem privaten Grundstückseigentümer.

 

Nach intensiven Diskussionen über die Perspektive einer gesetzlichen Regelung sowie der Ausgestaltung der Vorschriften für eine künftige Umsetzung dieser gesetzlichen Forderungen, sei es von den Ländern oder auch als bundeseinheitliche Lösung, zog Dr. Bernhard Fischer vom BBR ein optimistisches Fazit. Die große Resonanz und die hochinteressanten Beiträge aus dem Auditorium zeigten Ihm, dass sich der Nachmittag thematisch am Puls der Zeit befand. Somit galt sein besonderer Dank den Organisatoren, die als „Dreigestirn“ BBR, FH und VUSD viel Zeit, Engagement und Knowhow einbrachten.

 

 

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